Kulturkreisreise 2014

Hansestädte und Backsteingotik an der Ostsee

Bilder: Birgit Gladrow und Michael Finzer
Text: Eberhard Gladrow

Wismar, Stralsund, Rostock, Greifswald: die historischen Hansestädte und die Backsteingotik waren dieses Jahr die Themen der Kulturkreisreise an die Ostsee. Prachtvolle Kaufmanns- und Patrizierhäuser und mächtige Stadtkirchen zeugen vom Reichtum der Hanse, alte Hafenanlagen und Speicher vom Handel mit den verschiedensten Waren. Außerdem wollte der Kulturkreis zwei berühmten Zitaten auf den Grund gehen:

»As uns Herrgott de Welt erschaffen ded, fung hei bi Meckelnborg an.« So beschrieb der Dichter Fritz Reuter schon vor 200 Jahren seine Heimat.

»Wenn die Welt untergeht, so ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles 50 Jahre später.« Mit diesem angeblichen Bismarck-Zitat charakterisierte noch 2007 der amtierende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern dem »Spiegel« gegenüber seine Heimat. Der Ausspruch zählt zu den populärsten Wendungen, wenn man die Besonderheit Mecklenburgs beschreiben will. Im auffallenden Gegensatz zu seiner Beliebtheit steht seine mangelnde Belegbarkeit. Eine genauere Quelle als »Bismarck« ist nirgendwo zu ermitteln.


Fritz Reuter, Lithographie
Josef Kriehuber nach Haertel

 


Otto von Bismarck,
Bundesarchiv Bild 183-R29818

Der Kulturkreis wollte auch wissen, ob alte Ressentiments noch bestehen, denn man hat sich früher nicht so sehr gemocht:
„Mäkelbörger Ossenköpp“, so nannten die Pommern einst die Mecklenburger, also Ochsenköpfe. Wegen ihrer Sturheit. Umgekehrt wird auch ein Stiefel draus:
„De Pommer is in‘n Winter grad so dumm as in‘n Sommer“ meinten die Mecklenburger.

Aber man stellt fest: Davon ist nichts (mehr) zu spüren.

Tage vor der Abreise hatte es an der Ostsee noch kräftig gestürmt. Als der Bus losfuhr, war die Wetterprognose recht ordentlich. Das Wetter vor Ort war schließlich besser als angekündigt: leichter Wind, morgens noch kühl, aber fast immer sonnig. Hin und wieder ein leichter Schauer.

Der erste Tag der Kulturkreisreise an die Ostsee war der Anreise nach Wismar gewidmet. Die Entfernung nach Wismar beträgt immerhin etwa 670 km. Da bleibt leider keine Zeit für Besichtigungen unterwegs. Übernachtung und Abendessen im Steigenberger Hotel (4*) Stadt Hamburg, direkt am Marktplatz gelegen.

Am zweiten Tag wurde das historische Wismar mit der prächtigen Altstadt besichtigt, mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Wir wandelten auf den Spuren einer Stadtgeschichte von Weltformat. Ricarda Huch schreibt 1929: „Die beiden Punkte, wo man Wismar am besten in sich aufnimmt, sind der Hafen und der Markt“. In Wismar wurde schon 1259 zusammen mit Lübeck und Rostock ein Städtebund gegründet, aus dem später die Hanse hervorging.

     

Besonders beeindruckend die Nikolaikirche mit dem 37 m hohen Mittelschiffgewölbe.

Fotostrecke  Wismar

Nach der Mittagspause in Wismar fuhren wir nach Bad Doberan, wo zunächst das Münster besichtigt wurde. Es standen zwei Führungen zur Auswahl, nämlich eine „klassische“ Kirchenführung und eine Führung, die in Deckengewölbe, Turm und Glockenbereich führte – immerhin etwa 130 Stufen himmelwärts. Es war schon ein besonderes Erlebnis, sich direkt unter dem Kirchendach aufzuhalten, dort wo die Fledermäuse wohnen und die Dolen ihre Brutplätze haben.

Wenig anstrengend danach die Fahrt mit Molli, der Bäderbahn von Bad Doberan nach Kühlungsborn. Die Dampflok mit den altertümlichen Wagen schnauft mitten durch Bad Doberan, mitten durch die Geschäftsstraße. Diese heißt sinnigerweise auch Molli-Straße. Auf freier Strecke zeigte Molli, was er kann, legte einen kräftigen Zahn zu und erreichte eine Geschwindigkeit von etwa 40 km/h. Man sagt, der Name Molli gehe auf die Ähnlichkeit der dampfenden und fauchenden Lokomotive mit einem Mops zurück, der partout nicht mit dem Zug fahren wollte.

Fotostrecke  Münstergewölbe und Molli

In Kühlungsborn speisten wir im Bahnhofsrestaurant „Gleis 2“ und konnten dabei viele schöne Eisenbahndevotionalien betrachten. Das Ambiente war geschmackvoll rustikal, alle Einrichtungsgegenstände wiesen auf die Eisenbahngeschichte hin, Speis und Trank sehr gut. Das Wetter war schön, also pilgerten wir zur Seebrücke. Dann forderte uns ein kräftiger Schauer nachdrücklich auf, den Bus zu besteigen.

Tag 3 der Reise bot ein gemischtes Programm: Rostock, eine Kaffeerösterei und eine Windmühle.

Über Rostock schrieb Ulrich von Hutten 1509 an Luther: „Nach Rostock kam ich, arm und arg geschunden, Gelehrte jeden Fachs hab ich hier gefunden, Beschwingtem Geist und der Freiheit hold, dem Schönen mehr ergeben, als man meinen sollt…“ Wir ließen uns bei einer Stadtführung das Schöne zeigen, ohne zu übersehen, dass die Geschichte auch weniger Ansehnliches hinterlassen hat. Interessant waren die Plattenbauten in der Innenstadt, die sich gut der historischen Kulisse angepasst haben. Durch aufgeklebte Ziegel verschiedener Färbung wurde der Bezug zur Backsteingotik hergestellt, ohne die moderne Form der Gebäude zu kaschieren. In der Marienkirche konnten wir ein feinmechanisches Meisterwerk bewundern, nämlich die astronomische Uhr mit den beiden riesigen Scheiben zu Sonnen- und Mondphasen, zu Tierkreiszeichen. Punkt zwölf Uhr laufen die Apostel an Jesus vorbei und grüßen ihn und er grüßt zurück. Dann verschwinden sie durch ein Türchen. Nur Judas, der darf nicht hinein, mit einem lauten Knall wird ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.

Fotostrecke  Rostock

Schon in der Innenstadt von Rostock meint man den Kaffeeduft wahrzunehmen, der nur von der Kaffeerösterei Brack in Admannshagen kommen kann. Die Geschichte der Kaffeerösterei ist lang und spannend. Sie begann im Jahr 1925 mit einer Auswanderung von Bamberg nach Peru, der Anlage einer Kaffeeplantage im Urwald und endete vorläufig im Jahr 2004 mit einer Rückwanderung von Südamerika an die Ostsee. Denn in diesem Jahr wurde in Admannshagen die Kaffeerösterei Brack gegründet. Nach einer kleinen Einführung erleben wir eine Schauröstung und eine Kaffeeverkostung. Möglicherweise trinken wir jetzt beim Frühstück den Kaffee mit einem ganz anderen Bewusstsein.

Fotostrecke  Brack

Auf dem Rückweg nach Wismar machten wir noch Station in Stove, wo sich ein rühriger Mühlenverein bemüht, die Holländermühle von 1889 zu erhalten. Für uns hieß es: „Kumm rin´n – un kiek Di üm! – Wie´t früher wier – dat sühst Du hier“.

Fotostrecke  Mühle von Stove

Am vierten Tag der Reise mussten wir Koffer packen und nach Stralsund umziehen. Man kann leider nicht alle attraktiven Reiseziele von einem Standort aus besuchen, dazu sind die Entfernungen zu groß.

Unterwegs haben wir das Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten mit der Dauerausstellung „Bernstein – Gold des Nordens“ besucht, dann das neue Museum zur Ahrenshooper Künstlerkolonie und zum Schluss noch die Seefahrerkirche in Prerow.

Lassen Sie uns über Succinit reden.

Wir sind aber nicht an der Küste entlang gelaufen, um Succinit zu suchen, wie der Bernstein wissenschaftlich heißt, das Gold der Ostsee. Dabei ist diese Gold doch nur das Harz von untergegangenen Nadelbäumen. Wir ließen uns im Bernsteinmuseum alles Wissenswertes erklären und die wunderschönsten Stücke zeigen. Ohne nasse Füße und Genickstarre. In der Schauwerkstatt wurde demonstriert, wie Bernstein nach Königsberger Tradition bearbeitet wurde: Klöven (Behauen), Drechseln, Schnitzen, Schleifen und Polieren sind die Arbeitsschritte. Nicht jede(r) kam im Museumsshop ohne Einkauf davon.

Wir sind nicht die ersten, die sich von dieser Gegend bezaubern ließen. Vor uns waren schon zahlreiche Künstler vor Ort, als Dauergäste oder zeitweise im Sommer. Als Künstlerort hat Ahrenshoop eine mehr als 120-jährige Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Hunderte namhafter Künstlerinnen und Künstler fast aller wichtigen Strömungen moderner deutscher Kunst haben Ahrenshoop, seine nähere und fernere Umgebung seither besucht und mit Arbeiten darauf reagiert.

Das Kunstmuseum Ahrenshoop gibt einen Einblick in das künstlerische Erbe der Malerkolonie und der auf sie folgenden Strömungen moderner Kunst. Berühmte Namen wie Alexej Jawlensky, Erich Heckel oder Lyonel Feininger spielten eine Rolle.

Fotostrecke  Kunstmuseum Ahrenshoop

Später dann wurde gesungen, aber nicht getanzt, nämlich in der Seemannskirche von Prerow.

Die Kirche von Prerow ist das älteste Baudenkmal der Region, entstanden zu den Schwedenzeiten, 1726 – 28. Ursprünglich eine Fachwerkkirche, wurde sie im Laufe der Zeit zu einer Backsteinkirche umgebaut. Um die Kirche herum stehen alte, meist aufwändig gearbeitete Grabsteine, die Lebensgeschichten aus früheren Zeiten erzählen. Im Innern der Kirche sind Modellschiffe zu sehen, meist von Seeleuten in jahrelanger Arbeit angefertigt und der Kirche aus Dankbarkeit übergeben.

Fotostrecke  Prerow

Die Basis für die nächsten Tage war schließlich das arcona Hotel Baltic in Stralsund (4*), recht zentral gelegen, nur wenige Schritte zur Altstadt und zum Hafen.

Am fünften Tag der Reise fuhren wir nach Greifswald und gingen zurück in die Schwedenzeit.

„Ziemlich groß. In sehr antikem Geschmack gebaut, doch große und ansehnliche Häuser. Vorzüglich ist am Markt ganz gotische Bauart. Sehr viele Zieraten, und die Giebel, die fast alle nach der Straße zu stehen, in eine Menge von Stockwerken aufgeteilt“. So beschrieb Wilhelm von Humboldt 1796 seinen Eindruck von Greifswald.

Die Geschichte Greifswalds begann im Jahr 1198 mit Hilda, nämlich der Gründung des Klosters Hilda, das später Eldena heißen wird. Der starke Aufschwung der Stadt beginnt mit dem Anschluss an die Hanse und endet auch mit dem Ende der Hanse. Am 17. Oktober 1456 wird in Greifswald eine Universität gegründet, einige Jahre nach der Gründung der Rostocker Universität. Fast hätte Greifswald während des 2. Weltkriegs das gleiche Schicksal wie die anderen Hansestädte erlitten und wäre zerstört worden. Die mit Flüchtlingen total überfüllte Stadt war zur Festung erklärt worden und sollte bis zur letzten Patrone verteidigt werden. Aber der Stadtkommandant Petershagen widersetzte sich und übergab die Stadt kampflos der Sowjetarmee. So ist die historische Altstadt in weiten Teilen erhalten geblieben.

Fotostrecke  Greifswald

Eine kurze Fahrt brachte uns nach Wieck, einen Ortsteil von Greifswald. In Wieck machen wir Pause im „Cafe Alte(r) Schule“. In gemütlicher Atmosphäre gab es guten Blechkuchen sowie österreichische Mehlspeisen. Unser möglicherweise schon verblichenes Schulwissen wurde zum Glück nicht abgefragt. Bekanntestes Wahrzeichen des über 800 Jahre alten Fischerdorfes ist die Wiecker Klappbrücke, 1887 nach holländischem Vorbild erbaut. Als eine der ältesten und noch immer funktionsfähigen Holzklappbrücken ist die Wiecker Brücke heute ein beeindruckendes technisches Denkmal. Sie ist 55,1 m lang, 7,5 m breit und hat eine Schiffsdurchfahrtsbreite von 10,7 m. Die Baukosten beliefen sich auf 33.850 RM.

Um zur Klosterruine Eldena zu gelangen, müssen wir über die Klappbrücke gehen. Ein Brückenzoll wird heute nicht mehr erhoben.

Fotostrecke  Wieck

Die Klosterruine Eldena ist durch das Gemälde des Romantikers Caspar David Friedrich weltberühmt geworden.

Das Kloster hatte großen Anteil an der Christianisierung von Vorpommern. In den letzten Jahrzehnten haben ausgiebige Forschungen und Ausgrabungen zur Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters stattgefunden. Die Forschung hat angeblich ergeben, dass ein Abt goldene Kelche und Kreuze verscherbelt habe, um seine Feiern mit Gauklern, Possenreißern und leichtfertigen Frauen zu finanzieren.

Von der Anlage ist nicht mehr viel erhalten: Teile des romanisch begonnenen Chors, des Querhauses, einige Pfeiler des Langhauses und die Westwand mit ihrem hochgezogenen, für die schlichte Zisterzienserarchitektur so typischen Spitzbogenfenster ebenso Teile der östlichen Klostergebäude.

Goethe missfiel die düstere Stimmung des Bildes, ein bei Friedrich oft anzutreffender malerischer Topos für die Vergänglichkeit des Lebens. Zitat Goethe: » …schöne Arbeit, aber ich meinte immer, die Kunst solle das Leben erheitern; hier ist Kälte, Hastereien, Hinsterben und Trostlosigkeit…«

Fotostrecke  Eldena

Bei unserem nächsten Zielpunkt haben wir Hanse und Backsteingotik verlassen und tauchten etwas ein in die schwedische Geschichte.

Am 16. April 1807 schlossen hier in Schlatkow die schwedischen und die französischen Truppen ein Waffenstillstandsabkommen nach einer empfindlichen Niederlage der Schweden im nahen Anklam.

„Die Örtlichkeit ist das von einer längst vergangenen Begebenheit übrig gebliebene Stück Wirklichkeit“, so Feldmarschall Helmuth Graf von Moltke.

Schlatkow wurde bereits 1168 urkundlich erwähnt, 1604 erstmal unter dem heutigen Namen. Der slawische Name kommt von Gold oder von Morast. Beide Varianten sind kaum mit dem Ort in Verbindung zu bringen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich das Kloster zum Rittergut und dann zu einer Gutsanlage. Die Gutsanlage besteht heute aus einem Ensemble von zwei Fachwerkhäusern, die 1768 in der Schwedenzeit, erbaut wurden, und einem kleinen Herrenhaus in schlichter spätklassizistischer Architektur. Im Gutshaus befindet sich eine Dauerausstellung zum Waffenstillstand am 18. April 1807 zwischen Schweden und Franzosen. Überregionale Bedeutung erlangte Schlatkow auch durch die 1934 eingerichtete Pommersche Melkerschule für ganz Pommern.

Zum Ausklang des Tages wurden wir vom Verein, der sich um den Erhalt der Gutsanlage kümmert, mit Bratwurst, Kammsteak und Salaten in der denkmalgeschützten Fest- und Kulturscheune bewirtet.

Fotostrecke  Gut Schlatkow

Am sechsten Tag waren wir nicht unterwegs, wir blieben in Stralsund. Am Vormittag stand eine Stadtführung auf dem Programm.

„Meerstadt ist Stralsund, vom Meer erzeugt, dem Meere ähnlich, auf das Meer ist sie bezogen in ihrer Erscheinung und in ihrer Geschichte. Die Stralsunder richten sich auf der Insel ein, wie auf einem Schiff, dessen Masten die Kirchtürme waren, überraschend hoch, weithin sichtbar in der Wildnis des Meeres“. So beschreibt die deutsche Dichterin, Philosophin und Historikerin Ricarda Huch die mittelalterliche Stadt am Meer.

Stralsund hatte die Lizenz zum Gelddrucken. Das genau bedeutete die Beherrschung der Ostsee durch Stralsund und die Hanse. Schon der schwedische Reichstag stellte 1632 fest: „Wer Stralsund hat und Rügen, der hat die Ostsee“. Dieser Reichtum hat sich bis heute erhalten in Form von prachtvollen Kaufmanns- und Patrizierhäusern, repräsentativen Verwaltungsgebäuden und prunkvollen Sakralbauten. Kurz gesagt: Stralsund ist eine Perle mittelalterlichen Städtebaus. Konsequenterweise wurde auch Stralsund im Jahr 2002 in die UNESCO-Liste der Weltkulturerbe aufgenommen.

Auf dem Marktplatz kann man einige Beispiele der architektonischen Geschichte der Stadt sehen, so die Nikolaikirche und das Stralsunder Rathaus, einer der bedeutendsten Profanbauten der norddeutschen Backsteingotik. Die oft mit hohem finanziellen Engagement aufwändig sanierten Bürgerhäuser mit ihren typischen Giebeln prägen das Bild in den Altstadtstraßen. Drei große mittelalterliche Bauten der Backsteingotik, die Marienkirche, Nikolaikirche und Jakobikirche, zeugen von der mittelalterlichen Bedeutung Stralsunds.

Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung: zur Entspannung, aber auch für weitere Unternehmungen. Da wäre vor allem das Ozeaneum zu erwähnen, ein Meeresmuseum, das die Vielfalt des Lebens in den Weltmeeren zeigt. Oder man besteigt den über 100 m hohen Turm der Marienkirche und genießt den Rundblick über Stralsund und Rügen.

Fotostrecke  Stralsund

Der siebte Tag war eigentlich schon Teil der Rückfahrt. Da die Strecke Stralsund – Wörrstadt für Busse nicht an einem Tag zu schaffen ist, nutzten wir die Gelegenheit für einen Besuch in der Barlach-Stadt Güstrow, bevor wir in Magdeburg im Hotel Ratswaage (4*) übernachteten. Der Besuch in Schwerin wurde nach Rücksprache mit der Reisegruppe gestrichen zugunsten eines längeren Aufenthalts in Güstrow.

In Güstrow, wo Barlach einige Zeit gelebt hat und wo seine wichtigsten Werke entstanden sind, besuchten wir die Gertrudenkapelle, eine spätmittelalterliche Pilgerkirche.

Sie beherbergt bedeutende Holzskulpturen und bildhauerische Werke wie der „Lesende Klosterschüler“, die „Gefesselte Hexe“,  der „Zweifler“ und der „Wanderer im Wind“. Barlach – Maler, Graphiker, Bildhauer und Dramatiker – wurde am 2. Januar 1870 in Wedel/Holstein geboren. Nach Lehr- und Wanderjahren in Deutschland, Paris, Italien und Russland wurde er als 40jähriger 1910 Bürger der Stadt Güstrow. Fast 30 Jahre lebte und arbeitete Barlach hier, bis zu seinem Tod 1938. Zu Barlachs Hauptwerken zählt auch das Güstrower Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges: „Der Schwebende“, eine Bronzeplastik im Güstrower Dom, eines seiner ergreifendsten Werke, über die Grenzen Deutschlands bekannt.

Die Mittagspause verbrachten wir im Café Küpper, wo es sagenhafte Torten gab. Der lokale Rekord von 5 Stück Torte während einer „Sitzung“ konnte von keinem der Reiseteilnehmer gebrochen worden. Das Café heißt im Volksmund auch Scheidungscafé. Gegenüber liegt nämlich das Amtsgericht, und so hat man sich nach einer bitteren Scheidung erst mal etwas Süßes gegönnt.

Fotostrecke  Gertrudenkapelle und Güstrow

Am Abend checken wir im Hotel Ratswaage in Magdeburg (4*) ein.

Am nächsten Morgen, dem Tag 8 unserer Reise, ging es dann relativ zügig zurück nach Wörrstadt.