Kulturkreisreise 2017

24.09.2017 – 30.09.2017

Braunschweiger Land – Vom Zonenrandgebiet in Deutschlands Mitte

Text: E. Gladrow   |   Fotos: B. Gladrow

So lautete das Motto der diesjährigen Reise des Kulturkreis Wörrstadt e.V.. Das Braunschweiger Land ist keine fest umschriebene Region, hat auch keine konkrete politische Struktur. Es bildet ungefähr den Kernbereich des alten Herzogtums Braunschweig bzw. des Freistaates Braunschweigs, der von 1918 bis 1942 existierte. Das Braunschweiger Land entspricht in etwa den Städten Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und zumindest teilweise den Landkreisen Gifhorn, Peine, Wolfenbüttel, Goslar und Helmstedt.

Bis zur Wiedervereinigung war das Braunschweiger Land Zonenrandgebiet. Zum Grenzübergang bei Helmstedt waren es gerade mal 35 km Luftlinie. Nach der Wiedervereinigung liegt Braunschweig nun fast in Deutschlands Mitte. Allerdings gibt es verschiedene Mitten Deutschlands: je nachdem, welche Berechnungsmethode angewendet wird, gibt es verschiedene Mitten Deutschlands.

Egal wie, auf jeden Fall handelt es sich um eine wenig bekannte Gegend, wenn man von den Städten absieht. Aber dennoch interessant genug, einmal dorthin zu fahren.

Sonntag, 24. September 2017

Pünktlich um 8 Uhr startete die Reisegruppe von Wörrstadt aus Richtung Braunschweig, aber nicht auf dem direkten Weg. Ziel war zunächst Bendorf unweit von Koblenz, wo das Rheinische Eisenkunstguss-Museum im Schloss Sayn besichtigt wurde. Zu sehen sind filigrane Kunstwerke in Eisenfeinguss, wertvolle Zeugnisse aus der Zeit der Frühindustrialisierung, hergestellt in der ehemals königlich-preußischen Sayner Hütte direkt neben dem Schloss.

Bild 1: Eisenkunstguss

Bild 1: Eisenkunstguss

Doch nicht nur schmuckes Eisen steht im Mittelpunkt der Dauerausstellung. Das Museum widmet sich auch der Thematik „Arbeit und Leben zur Zeit der Industrialisierung“ und gewährt Einblick in die Technik des Metallformens- und gießens.

Danach besichtigten wir ein Meisterwerk früher Industriearchitektur, nämlich die 1830 vollendete Gießhalle der Sayner Hütte. Sie gilt mit ihrer in Glas aufgelösten Westfassade europaweit als Prototyp des modernen Industriebaus. 2010 adelte die Bundesingenieurkammer das technische Kulturdenkmal als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“.

Bild 2: Sayner Hütte

Bild 2: Sayner Hütte

Bildstrecke 1: Sayner Hütte

Anfang 2011 einigten sich drei Ministerien des Landes Rheinland-Pfalz darauf, mit 3,8 Mio. Euro Erhaltung und Betrieb des Denkmals zu unterstützen. Bis zum Jahre 2014 wurde die Sayner Hütte auf vorbildliche Weise saniert. Mittlerweile ist die Sayner Hütte UNESCO-Weltkulturerbe.

Nach ruhiger und zügiger Fahrt konnte die Gruppe am Abend im Hotel einchecken. Das Steigenberger Parkhotel Braunschweig liegt sehr ruhig im Kiryat-Tivon-Park, am Rand der Innenstadt, die aber dennoch in nur wenigen Minuten Fußweg zu erreichen ist. Die Zimmer waren angenehm und einem 4-Sterne-Hotel angemessen, der Service tadellos.

Montag, 25. September 2017

Dieser Tag bot gleich zwei Höhepunkte, nämlich die Stadt Hildesheim und die Herrenhäuser Gärten in Hannover.

Das sagt die Touristinformation über Hildesheim:

„Besonders berühmt ist Hildesheim für seine Kirchen, von denen der Dom und St. Michaelis ein außergewöhnliches Zeugnis von der religiösen Kunst der Romanik im Heiligen Römischen Reich ablegen. Die UNESCO würdigte dies, indem sie im Jahre 1985 die Kirche St. Michaelis und den Mariendom gemeinsam als eine Stätte in die Liste der Welterbe aufnahm. Beide Kirchen bewahren eine außergewöhnlich große Zahl von historischen Ausstattungsstücken….  Hierzu gehören im Dom die 1015 datierte, in Bronze gegossene Bernwardstür und die Christussäule von 1020, die von der großartigen Gestaltungskraft Bischof Bernwards zeugen. Die Michaeliskirche gilt mit ihrem monumentalen Deckenbild aus dem 13. Jahrhundert, das den Stammbaum Christi zeigt, als eine der schönsten frühromanischen Kirchen Deutschlands.“

Bild 3: St. Michaelis

Bild 3: St. Michaelis             

Nach einer individuellen Mittagspause, in der man die Eindrücke noch vertiefen oder einfach nur so durch die Altstadtgassen bummeln konnte, ging es weiter nach Hannover zu den Herrenhäuser Gärten.

Bildstrecke 2: Hildesheim

Während der Fahrt gab Herr Bauer eine Einführung in die Geschichte des Großen Gartens, der zu den bedeutendsten Barockgärten in Europa zählt. Die von einem Wassergraben umschlossene Gartenfläche stellt das historische Kernstück der Herrenhäuser Gärten dar, zu denen außerdem der Berggarten, der Georgengarten und der Welfengarten gehören.  Man sieht etliche Gestaltungselemente aus der Zeit der Renaissance und vor allem aus dem Barock. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Garten erweitert, je nach Zeitgeist verändert, gepflegt oder auch nicht gepflegt.

Bild 4: Großer Garten

Bild 4: Großer Garten

Bildstrecke 3: Großer Garten

Im Großen Garten kann man auch dem Schaffen von Niki de Saint Phalle nachspüren, der Schöpferin der weltberühmten Nanas, wunderschöne riesige Skulpturen, die einen ob ihrer Farbenpracht heiter stimmen können, aber auch verstören durch die Darstellung von Gewalt gegen Frauen.

Niki de Saint Phalle schuf die Neugestaltung der Grotte im Großen Garten. Es ist ihr letztes großes Kunstprojekt, das sie vor ihrem Tod abschloss. Die Grotte schillert bunt in allen Farben, die gebrochenen Fliesen geben den Wänden eine zerknitterte Struktur.

Eine Führung durch die Gärten war nicht vorgesehen. Man durfte durch den Garten lustwandeln wie man wollte. Schließlich ist es ja ein Lustgarten.

Dienstag, 26. September 2017

Dieser Tag stand ganz im Zeichen von Literatur und Theater. Für beides hat Wolfenbüttel eine lange Tradition und auch die entsprechenden Sehenswürdigkeiten.

An dieser Stelle eine Anmerkungen zu den Führungen:

Wenn man eine Führung bucht, weiß man natürlich nicht, was einen erwartet. Die Erfahrungen vieler Reisen zeigen, dass alles möglich ist. Jede Führung ist ja geprägt von den Vorlieben des Führenden und dessen rhetorischen Talents. An diesem Tag aber hat die Reisegruppe eine wirklich grottenschlechte Führung erleiden müssen. Sie war so schlecht, dass der Reiseleiter die Führung abgebrochen hat. Meist muss man nur eingreifen, um die Führung im abgesprochenen Zeitrahmen zu halten. Es gilt aber auch zu betonen: Während dieser Reise (und auch während der früheren Reisen) waren praktisch alle anderen Führung sehr gut.

Alles neu macht der Mai – im Falle des Lessingtheater Wolfenbüttel trifft dieses Sprichwort voll zu. Denn im Mai 2013 feierte es seine spektakuläre Wiedereröffnung und somit den Abschluss eines der größten Sanierungsprojekte der letzten Jahrzehnte. Die Wolfenbütteler, die auf eine über 400-jährige große Theatertradition zurückblicken, jubeln, dass das 1909 von Otto Rasche und Otto Kratzsch im reduzierten Jugendstil erbaute Gebäude wieder in historischem Glanz erstrahlt.

Bild 5: Lessing-Theater

Bild 5: Lessing-Theater

Bildstrecke 4: Lessing-Theater

Während der Führung durfte die Reisegruppe hinter alle Kulissen blicken, vom Keller bis zum Dach, und erfuhr während eines Diavortrages höchst Erstaunliches zur Renovierung. So zum Beispiel, dass man fast den kompletten Keller unter dem Theater weggegraben hat ohne das Gebäude darüber zu gefährden. Eine bautechnische Meisterleistung.

Am Nachmittag standen die Führungen durch das Lessinghaus und die Herzog August Bibliothek auf dem Programm.

Der Name Lessinghaus ist Programm. Das zur Herzog-August-Bibliothek gehörende Museum widmet sich ausgiebig der Geschichte eines der wichtigsten Dichter der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing (1729-1787). Genauer gesagt: seiner Zeit in Wolfenbüttel, wo er die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte.

Die Sammlung der Herzog August Bibliothek ist eine der ältesten unversehrt erhaltenen Bibliotheken

der Welt und gleichsam ein unbeschädigtes kulturelles Gedächtnis. 1572 gegründet, wurde die Bibliotheca Augusta durch die systematisch von Herzog August dem Jüngeren (1579 – 666) zusammengetragene Sammlung kostbarer Handschriften zur größten Bibliothek ihrer Zeit und galt manchem gar als Weltwunder.

Hier hatte die eine Gruppe Glück mit einer gute Führerin, die andere Pech mit einer sehr schlechten Führerin.

 

Bild 6: Wolfenbüttel

Bild 6: Wolfenbüttel

Bild 7: Kontorhaus

Bild 7: Kontorhaus

Bildstrecke 5: Wolfenbüttel

Zum Abschluss des heutigen Tages besuchten wir noch ein Kleinod, nämlich das Kontorhaus am Jödebrunnen in Braunschweig. Dass wir so kurzfristig das Kontorhaus besichtigen konnten, haben wir der Spende von Kuhnert-Reise zu verdanken. Die Kosten dafür waren nämlich nicht eingeplant, aber so ist der Besuch möglich geworden. Ein herzliches Dankeschön an Kuhnert-Reisen.

Das Kontorhaus am Jödebrunnen ist ein kleines Gebäude, das sich 1899 Herr Brachvogel, der Besitzer einer Holzhandlung, als Kontorhaus unmittelbar am historischen Jödebrunnen errichten ließ. Die Firma war mit dem „Import nordischer, galizischer, russischer und amerikanischer Hölzer“ befasst.

Das Kontorhaus war ursprünglich im asiatischen Stil gestaltet gewesen. 

Wegen seiner Lage am Jödebrunnen und seiner baulichen Originalität stellt das Gebäude eine Besonderheit dar, es ist in gewisser Weise ein Unikat. Auch, wenn es noch etwas ramponiert aussieht.

Mittwoch, 27. September 2017

Bei einer 7-tägigen Busreise braucht er Hon, unser Busfahrer, eine ganztägige Ruhepause. Deshalb haben wir diesen Tag in Brauschweig verbracht, wo es durchaus genügend Sehenswertes und Interessantes gibt.

Bild 8: Braunschweiger Schloss

Bild 8: Braunschweiger Schloss

Braunschweig hat rund 250.000 Einwohner und ist damit nach Hannover die zweitgrößte Stadt Niedersachsens. Braunschweigs Ursprünge gehen bis in das frühe 9. Jahrhundert zurück. Insbesondere durch Heinrich den Löwen entwickelte sich die Stadt schnell zu einer mächtigen und einflussreichen Handelsmetropole, die ab Mitte des 13. Jahrhunderts der Hanse angehörte. Braunschweig war Hauptstadt des gleichnamigen Landes, bis dieses 1946 im neu geschaffenen Land Niedersachsen aufging.

Während des Zweiten Weltkrieges war Braunschweig Ziel zahlreicher alliierter Bombenangriffe, wobei etwa 90 Prozent der Innenstadt und 42 Prozent der gesamten Stadt zerstört wurden. Nach jahrelanger und mühevoller Aufbauarbeit ist davon nichts mehr zu spüren. Heute ist Braunschweig eines der Zentren der deutschen Musikinstrumentenindustrie und ein Wissenschaftsstandort par Excellence.

Unter anderem  ist hier die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ansässig, die nicht nur mit ihren Atomuhren die Zeit in Deutschland festlegt sondern auch viele Dinge des Alltags regelt. Die Mitreisende Frau Dr. Gruner-Bauer hatte sich freundlicherweise bereiterklärt, uns etwas mehr über die Physikalisch-Technische Bundesanstalt zu erzählen.

Zunächst hatte die Reisegruppe in einer Führung den Braunschweiger Dom besucht. Das sagt die Touristinformation über den Dom:

„Die ehemalige Stiftskirche St. Blasii ist heute der evangelisch-lutherische Dom. Er wurde von Heinrich dem Löwen nach Rückkehr von seiner Palästina-Fahrt in den Jahren 1173 bis 1195 als dreischiffige Gewölbebasilika anstelle einer älteren Anlage errichtet. Heinrich der Löwe bestimmte diese Kirche als seine Grabstätte, wo er 1195 auch neben seiner Gemahlin Mathilde bestattet wurde. Die Grabstätte Ottos IV., deutscher Kaiser und König, Sohn Heinrichs des Löwen, befindet sich im Dom in der Welfentumba im linken Seitenschiff…  Hochbedeutend ist die mittelalterliche Ausstattung: Marienaltar (1188), der siebenarmige Leuchter (um 1170/80), das aus Holz geschnitzte Kruzifix des Meisters Imervard (2. Hälfte 12. Jahrhundert), kunstvolle Wandmalereien sowie das Grabmal von Heinrich dem Löwen und Mathilde (um 1250, aus Muschelkalk geschaffen). Es gilt als ein Hauptwerk mittelalterlicher Steinplastik.“

Bildstrecke 6: Braunschweig

Über Mittag konnten die Reisenden „frei und unkontrolliert“ durch die Stadt flanieren, bevor der geführte Besuch des Jüdischen Museums anstand. Der Museumsverband Niedersachsen beschreibt das Museum so:

„Das Anfang des 12. Jahrhunderts erbaute Kloster St. Aegidien ist heute das älteste, öffentlich zugängliche Gebäude Braunschweigs. In den ehemaligen Klosterräumen wird die wechselhafte Geschichte des Gebäudes und seiner Bewohner erzählt. Darüber hinaus beherbergt das Kloster das Jüdische Museum des Braunschweigischen Landesmuseums, dessen Judaica-Sammlung zu den herausragenden Sammlungen in Deutschland gehört. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung steht die Inneneinrichtung der Hornberger Synagoge, die durch eine Vielzahl von Objekten aus dem religiös-kultischen Bereich und Dokumenten zur jüdischen Kulturgeschichte ergänzt wird. Ziel des Museums ist es, die jüdische Geschichte in all ihren Facetten, das heißt unter politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Aspekten zu betrachten. Das Museum geht in großen Teilen auf die Sammlung des Kammeragenten Alexander David (1687 – 1765) zurück, die bereits 1746 öffentlich zugänglich war, weshalb das Jüdische Museum in Braunschweig als das älteste der Welt gilt“

Donnerstag, 28. September 2017

An diesem Tag tauchte die Reisegesellschaft tief in die Geschichte in. Es ging nicht nur zurück in das Mittelalter sondern zurück bis in die Vorgeschichte der Menschheit.

Bild 9: Dom zu Königslutter

Bild 9: Dom zu Königslutter

Bildstrecke 7: Dom zu Königslutter

Zuerst ließen wir uns von „Bruder Wilfried“ in Rahmen einer Erlebnisführung den Dom zu Königslutter zeigen. Er – der Dom – gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Deutschland. Die bereits im Jahr 1135 gegründete und unter Heinrich dem Löwen vollendete Klosterkirche, eine kreuzförmige Pfeilerbasilika, war damals das größte Bauwerk nördlich des Harzes. Berühmt ist der Kaiserdom vor allem wegen seiner Bauskulptur: als Meister von Königslutter gilt der oberitalienische Bildhauer Nicolaus von Ferrara. Königslutter erwies sich als wegweisend für die Entwicklung der romanischen Architektur. Zu den besonderen Attraktionen des Sakralbaus gehören die Kapitelle und Friese mit ihren sehr kunstvoll gearbeiteten Blattdekorationen und fantasievollen Fabeltieren. Rätsel gibt eine der Darstellungen des Jagdfrieses an der Hauptapsis auf: Sie zeigt einen von Hasen überwältigten Jäger.

Danach fuhren wir auf kleinen Straßen weiter nach Schöningen zum „paläon“, dem Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere.

Bild 10: paläon

Bild 10: paläon

Bildstrecke 8: paläon

Es war schlicht eine Weltsensation, was Archäologen 1994 und in den Folgejahren am Rand der Stadt Schöningen zu Tage förderten. Die sieben außerordentlich gut erhaltenen Holzspeere und mehr als 10.000 Knochen von Wildpferden aus der Altsteinzeit – der Lohn für jahrzehntelange

Forschung im Abbauvorfeld des Braunkohletagebaus  – ermöglichten völlig neue Einsichten in die Geschichte der Menschwerdung. Diese mit rund 300.000 Jahren ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit bedeuten nicht nur eine der ersten Besiedlungsspuren im Nordwesten Europas, sondern veränderten die immer noch weit verbreitete Vorstellung vom Urmenschen als primitiven, aasfressenden Wilden nachhaltig. Die Speere zählen zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen der Welt.

Nach so viel Geschichte haben wir uns wieder der Gegenwart genähert. In Helmstedt stand die Besichtigung der Paramentenwerkstatt auf dem Programm.

Für die Liebhaber der feinen textilen Künste galt es, im Kloster St. Marienberg einen reichen Schatz für sich zu entdecken: Das Kloster, heute ein aktives evangelisches Haus, gegen Ende des 12. Jahrhunderts von Abt Wolfram von Essen-Werden und Helmstedt als Augustiner-Chorfrauenstift gegründet, pflegte von Beginn an die hohe Kunst der Paramentik: Die Herstellung von hochwertigen Textilien, die den Kirchenraum schmücken oder den Priester kleiden. Gewebt, genäht, gestickt wird in der Paramentenwerkstatt, wo man diese jahrhundertealte Tradition bis heute nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzuentwickeln weiß. Paramente werden mit einer modernen, zeitgemäßen Formensprache entwickelt. Auch für den Erhalt und die Restaurierung kostbarer historischer Textilien wird gesorgt. Die Schatzkammer des Klosters beherbergt viele mittelalterliche Glanzstücke.

Da in der Paramentenwerkstatt nicht fotografiert werden durfte, gibt es zu diesem Besuch auch keine Fotos.

Bild 11: Ratskeller Helmstedt

Bild 11: Ratskeller Helmstedt

Nach so viel geistiger Nahrung war es höchste Zeit, sich auch um Kulinarisches zu kümmern. Deshalb hat sich die Gruppe  schnurstracks auf den Weg zum Ratskeller gemacht. Nein, kein Ratskeller mit viel dunklem Holz und schweren Stoffvorhängen, sondern ein farbenfroh ausgestaltetes Gewölbe. Essen und Getränke waren recht ordentlich.

Bild 12: Ratskeller Helmstedt

Bild 12: Ratskeller Helmstedt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Rückfahrt nach Braunschweig war es dann im Bus ziemlich still….

Freitag, 29. September 2017

Eine Reise in 11 Länder dieser Welt – Das Internationale Mühlenmuseum Gifhorn beflügelt:

Bild 13: Mühlenmuseum

Bild 13: Mühlenmuseum

Bildstrecke 9:  Mühlenmuseum

Das Freilichtmuseum in Gifhorn beherbergt 14 Mühlen in Originalgröße. Die Mühlen stammen aus Griechenland, Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland, Russland und Korea. Bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen haben uns zwei kompetente Führer in die komplexe Welt der Mühlen eingeführt. Das sanft gewellte Gelände des Museums wird majestätisch beherrscht von der schlanken Gestalt der Mühle von Sanssouci, ein Abbild der berühmten Potsdamer Mühle aus den Zeiten Friedrich des Großen. Die weißen Mühlen aus Griechenland und Portugal verbreiten gemeinsam mit dem sonnigen Gelb der spanischen Mühle südländisches Flair. Die Kellerholländermühle ist über 150 Jahre alt. Dazu gesellen sich Wasser-, Schiffs-, und Rossmühle in der idyllisch gestalteten Anlage.

Die große Ausstellungshalle beherbergt darüber hinaus 50 maßstabsgetreue Mühlenmodelle und weitere Objekte zur Mühlentechnik.

Mühlenarbeit macht hungrig. Auf kurzem Weg ging es deshalb zum Historischen Gifhorner Wasserturm, in dem ein kleines, nettes Café untergebracht ist mit hervorragenden Kuchen und Torten.

Um die Jahrhundertwende (1899/1900) erbaut, bis 1973 in Betrieb, drohte der Turm zu einer Ruine zu verkommen. Aber 1996 ergriff die Familie Kraft aus Gifhorn die Initiative, um den historischen Gifhorner Wasserturm zu retten. Durch das Panorama-Café ist die Unterhaltung des Wasserturms zumindest vorläufig gesichert. Man erreicht das Café bequem mit dem außen angebrachten Fahrstuhl, kann aber auch die Treppe im Inneren nehmen und wird für die Mühe des Aufstiegs mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte des Wasserturms belohnt.

Bild 14: Panoramacafé

Bild 14: Panoramacafé

Bildstrecke 10: Panoramacafé

Frisch gestärkt und beeindruckt von diesem historischen Bauwerk machte sich die Gruppe auf zum nächsten Ziel, der Stadt Peine, die vor allen wegen der Stahlindustrie bekannt ist. Weitere wichtige Firmen in Peine sind der Schokoladenhersteller Rausch und der Hersteller von Schreibwerkzeugen Pelikan.

Aber das waren nicht unsere Ziele. Zuerst besuchten wir eine Kirche, in der es keinen einzigen weißen Fleck gibt.

Der Ursprung der Kirche St. Jakobi geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Kirche wurde oft umgebaut oder neu erbaut. Das heutige Erscheinungsbild geht auf Eberhard Hillebrand zurück, nach dessen Plänen die neugotische Saalkirche in den Jahren 1896–1899 errichtet wurde. Die reiche Ausmalung und die Bildfenster entwarf Alexander Linnemann. Die Ausmalung gilt als besonders gelungenes Beispiel historistischer Kirchenmalerei.

Wenn man die Kirche betritt ist man wohl erst einmal von der  Farbenpracht überrascht. Denn völlig unvermutet finden sich die Besucher in einer gänzlich anderen, ziemlich bunten Welt wieder: Alle Decken und Wände des neogotischen Sakralbaus sind mit farbenfrohen Gemälden verziert. »Alle« ist übrigens wörtlich zu nehmen: Keine einzige weiße Fläche findet man mehr in diesem Gotteshaus.

Bild 15: Kirche St. Jakobi

Bild 15: Kirche St. Jakobi

Bildstrecke 11: Kirche St. Jakobi  

Bild 16: Lessing-Loge

Bild 16: Lessing-Loge

Bildstrecke 12: Lessing-Loge

Danach schlenderte die Reisegruppe gemütlich durch die schöne Innenstadt, an frisch renovierten Fachwerkhäusern vorbei, über den Hagenmarkt, ein kreisrunder Platz, in den immerhin sieben Straßen münden. Nach wenigen Minuten war die Lessing-Loge erreicht.

Sowohl den Vertretern der Loge wie auch den Reiseteilnehmern war eine gewisse Befangenheit anzumerken. Warum besucht eine Reisegruppe die Loge? Logen sind doch etwas Anrüchiges?

Um es  vorwegzunehmen: Mit Kult und Glauben der historischen Kelten und ihrer geistigen Führungsschicht, den Druiden, deren esoterischen Gedankengut und heutigen Anhängern besteht überhaupt kein Zusammenhang.

Die aufklärerischen Wurzeln des Ordens standen Pate bei der Namensgebung im Jahr 1906, als die Gründungsväter der Lessing-Loge sich für Gotthold Ephraim Lessing (1729 -1781) entschieden. Er war ein herausragender Vertreter der Aufklärung und gleichzeitig ein literarischer Wegbereiter der Emanzipation eines sich konstituierenden Bürgertums. Der Lessing-Loge gehören Männer aus unterschiedlichen Berufen und verschiedenen Altersschichten aus dem Raum Peine und der näheren Umgebung an. Sie treten ein für Humanismus, tätige Nächstenliebe und Brüderlichkeit, Toleranz und Schutz der Menschenrechte. Sie sind bestrebt, die Meinung und Geisteshaltung des Anderen zu achten und haben keine Vorbehalte hinsichtlich Nationalität, Beruf, Religion, Rasse oder politischer Überzeugung.

Auffällig am Gebäude sind die markanten neo-romantisch geformten Fensteröffnungen, die komplett mit Glasmalereifenstern ausgestattet sind. Sie sind mit pflanzlichen und figürlichen Motiven als auch allegorischen Darstellungen versehen. Das gesamte Gebäude spiegelt die Einstellung der Loge wieder: Sie ist traditionell und gleichzeitig zukunftsorientiert. Leider sind die künstlerischen Intentionen und Bezüge zur druidischen Philosophie von Architektur und Raumgestaltung nicht überliefert.

Es war ein hochinteressanter Besuch, der bestimmt das eine oder andere Vorurteil – sofern überhaupt vorhanden – abgebaut hat.

Samstag, 30. September 2017

Wie auf der Hinfahrt auch, haben wir auf der Rückfahrt ein Denkmal der besonderen Art  besucht, nämlich das Fagus-Werk in Alsfeld. Es ist zum einen ein Denkmal ersten Ranges im Bereich der Architektur, zum anderen eine durchaus aktive Fabrik.

Das Werk wurde 1911 vom Architekten Walter Gropius und dessen Mitarbeiter Adolf Meyer entworfen und steht als eines der ersten Beispiele der architektonischen Moderne seit 1946 unter Denkmalschutz. Seit Juni 2011 gehört die gesamte Fabrikanlage zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Architektonisch besonders erwähnenswert sind die Vorhangfassaden aus Glas, die klare kubische Form sowie die Gestaltung der Stahlt räger. Die kreuzförmigen Pfeiler verändern sich nach oben hin und

werden schlanker. Bisher wurden die Ecken eines Gebäudes immer sehr massiv ausgeführt und sollten einen festen Eindruck hinterlassen. Revolutionär an diesem Gebäude ist die „offene“ Ecke, die der Beginn der modernen Skelettbauweise war.

Das Gebäude ist sehr schmal und sollte keinen monumentalen Eindruck hinterlassen. Leichtigkeit und Transparenz stehen in bewusstem Kontrast zum geschlossenen Stein-Ziegelbau. Gropius kümmerte sich zudem nicht nur um die Außengestaltung, sondern arbeitete viele Details und die Innenraumgestaltung aus.

Bild 17: Fagus-Werk

Bild 17: Fagus-Werk

Bilderstrecke 13: Fagus-Werk

Samstags wird im Fagus-Werk nicht gearbeitet. Die Reisegruppe konnte sich dennoch alle Produktionsschritte bei der Herstellung von Schuhleisten ansehen, die aus Holz oder Kunststoff hergestellt werden.

Nach etwas mühevoller Heimfahrt wegen etlicher Staus haben wir dann gegen Abend wieder Wörrstadt erreicht.