Echte Konkurrenz für Liza Minelli

(AZ Zeitung)

TRAVESTIE-SHOW Markus Marian Winkler in Rommersheim zu Gast mit seinem Programm „Die Tante singt“

Text von Ulla Grall (22.07.2017)

WÖRRSTADT-ROMMERSHEIM – Letztes Jahr war Schauspieler und Sänger Markus Maria Winkler mit Jürgen Wegscheider in Rommersheim um „LiteraTierisches“ zu präsentieren. „Ich freue ich, dass wir auch heute wieder ein ausgebuchtes Haus haben“, begrüßt Kulturkreis-Vorsitzende Birgit Gladrow die Gäste in der Scheier 1664. Dieses Jahr kommt Winkler jedoch nicht selbst, den großen Auftritt hat sein Alter Ego, Maria Rudolf. „Stößchen! Auf einen wunderschönen Abend!“ Da ist sie, die Tante. Und: „Die Tante singt“.

An Kulissen genügen Winkler zwei Bahnen Paillettenstoff und eine strategisch um Scheunenbalken geschlungene Federboa, an Requisiten ein kleiner Stehtisch, ein Stuhl, eine Leiter, die trägt die Garderobe der Tante, die sie auf offener Bühne wechselt.

„Heißen Jazz“ kündigt er/sie mit dem ersten Titel an, heiß ist auch die Aufmachung des Herrn Dame. In Rot mit Volant und aufregendem Bein-Dekolletee – schöne Beine hat die Tante – schwarze Feder-Boa, die Fingernägel in dezentem Knallrot, mit üppig-künstlichen Wimpern zum Klimpern wehrt er den aufbrausenden Beifall ab: „Schmeißen Sie lieber Geld rüber. Am liebsten Scheine, die machen nicht so ’n Krach.“ Schon hat sie die Lacher auf ihrer Seite.

„Ich finde mich schön“, stellt sie musikalisch fest, das glaubt man ihm aufs Wort. Auch wenn der Anblick doppelt irritiert. Zum glamourhaften Makeup und Outfit die spiegelnde Glatze – kein wallendes Blondhaar, die Perücke blieb in München. Aber vielleicht ist es gerade dies – die kahle Sängerin – was die Kunstfigur der Maria Rudolf so spannend macht und das ironisch gebrochene Spiel mit der Travestie in all seinen Facetten zeigt: „Eine Dame werd’ ich nie.“ Doch die ganz große Geste beherrscht er perfekt.

„Stößchen“ ist der Running Gag. Der wird, wenn sie das Glas hebt, vom Publikum schon angefordert. Winkler sucht den Kontakt, unaufdringlich zwar, doch auch in den hinteren Reihen ist keiner sicher. Man ist ja hier in der Scheier immer ganz dicht dabei. „Schau mich bitte nicht so an…!“ Da wird es auch der Diva ganz heiß. Nur gut, dass Birgit Gladrow mit einem Fächer hilfreich beispringt, aber es hilft nichts, „Jetzt zieh’n wir uns aus!“ Zum Öffnen des Reißverschlusses sucht die Diva ein Opfer aus dem Auditorium und schraubt sich dann ins hautenge Glitzerblaue.

Doch wenn die Tante „Somewhere over the rainbow“ singt, gewidmet den Menschen, die in Angst leben und verfolgt werden, wird auch im Publikum die Stimmung für einen Moment ernster.

„Sehr vielseitig, gar nicht plump“, stellt Hausherr Uwe Karjell schon in der Pause fest.

Mit kräftiger Stimme, für eine „echte Dame“ einen Tick zu tief, singt Winkler/Rudolf vom „Cabarett“ und macht Liza Minelli Konkurrenz. Klingt dabei ungekünstelt, fistelt nicht, fordert seiner Singstimme nicht mehr ab, als sie zu leisten vermag, überzieht die Damen-Rolle nie und ist gerade deshalb so doppelsinnig authentisch. Bei „Theater, Theater“ klatscht das Publikum mit und lässt sich im nächsten Moment bei „Mondlicht“ aus dem Musical „Cats“ auf eine ganz andere Atmosphäre ein.

„Standing Ovations bei der Dernière“, freut sich Winkler hernach. „Es war sehr emotional.“ Der heutige Auftritt ist der letzte Abend der „Tante“. „Zehn Jahre habe ich dieses Programm gemacht. Jetzt kommt erst mal was anderes.“

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