Chawwerusch-Theater gastiert mit „Oh Romeo“ in Neubornhalle Wörrstadt (17.11.2017)

Allgemeine Zeitung

Von Barbara Mümpfer

WÖRRSTADT – Seit William Shakespeare im 16. Jahrhundert „Romeo und Julia“ auf die Bühne brachte, hat es zahllose Adaptionen dieses Stoffes gegeben. Ob Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, ob Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“, Ephraim Kishons Komödie „Es war die Lerche“ oder John Maddens Film „Shakespeare in Love“ – immer ging es um ein Paar, dem kein Happy End vergönnt ist.

Ethnische Unterschiede sorgen für tragisches Ende

Auch heute noch kann eine solche „unpassende“ Liebe tragisch enden. Das jedenfalls ist die Botschaft, die der dänische Autor Thomas Markmann mit seinem Stück „Oh Romeo“ vermittelt. Das Herxheimer Chawwerusch-Theater gastierte auf Einladung des Kulturkreises Wörrstadt mit dieser in die moderne Zeit übertragenen Geschichte in der Neubornhalle und zog mit einer mitreißenden Inszenierung das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann.

Romeo ist bei Markmann ein aus dem Iran stammender Taxifahrer, Julia eine angehende Rechtsmedizinerin aus guter Familie. Sie treffen sich eher zufällig, und es passiert, was sie nicht erwartet haben: Sie verlieben sich ineinander. Anders als bei Shakespeare verhindert aber nicht eine langwährende Fehde beider Familie das Glück der Liebenden. Es sind eher die ethnischen Unterschiede, die abweichenden Traditionen und das Klassendenken der Angehörigen, die für einen tragischen Ausgang sorgen. Beide fürchten sich davor, ihren Eltern die Liebe zu einem Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu gestehen, und als dann noch ein Mord hinzukommt, ist es für sie zu spät.

Miriam Grimm als Julia und Stephan Wriecz als Romeo brauchen für ihr Zwei-Personen-Kammerspiel nur wenige Requisiten. Eine weiße Bühne, eine Leinwand und ein Podest reichen ihnen völlig aus, um das Publikum in Romeos Taxi und Julias Wohnung mitzunehmen. Das, was fehlt, füllen sie mit ihrer bemerkenswerten Präsenz und ihrem lakonischen, mitunter beiläufigen Spiel.

Weitere Personen – wie Romeos Freund Mercutio (Andreas Krüger), Julias Bruder Tybald (Sebastian Borucki), Julias geschwätzige Mutter und Romeos autoritärer Vater tauchen nur in einem Video-Clip oder als Stimme aus dem Off auf. Dass die Inszenierung trotzdem so intensiv wirkt, ist der hervorragenden Regie-Arbeit von Andreas Krüger zu verdanken, der als freier Schauspieler, Regisseur und Musiker für das Chawwerusch-Theater tätig ist.

Das vorwiegend ältere Publikum zeigte sich im Anschluss an die Aufführung äußerst angetan sowohl von dem Stück als auch von der Bearbeitung durch das Ensemble. Zwar war der eine oder andere zunächst vor der mit Schimpfworten durchsetzen Sprache der „Freunde“ Romeos zurückgeschreckt. Aber genau diese Authenzität kommt offenbar bei den jungen Leuten, die die „Expedition Chawwerusch“ mit dieser Inszenierung ansprechen will, besonders gut an. „Anfangs haben manche unserer jungen Besucher keine rechte Lust, sich auf ein Theaterstück einzulassen“, berichtete Stephan Wriecz im Gespräch mit dem Publikum. „Aber sobald der erste Video-Clip mit den Freunden Romeos auftaucht und sie ihre Generation darin wiedererkennen, sind sie voll bei der Sache“.

Die Kulturkreis-Vorsitzende Dr. Birgit Gladrow hatte deshalb auch im Vorfeld versucht, junge Menschen und die Wörrstädter Schulen für die Aufführung zu gewinnen. Ein Blick ins Publikum zeigte allerdings, dass ihr das nicht gelungen war. Immerhin: Im anschließenden Gespräch mit den Schauspielern bat eine Lehrerin aus Worms, ihr Informationsmaterial zukommen zu lassen. Sie denke daran, entweder mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Aufführung des Chawwerusch-Theaters zu besuchen oder das Ensemble in ihre Schule einzuladen.

 

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