Maseltov Konzert 07.06.2018

Allgemeine Zeitung: Maseltov bieten eine breite Palette an Klezmermusik in Wörrstadt-Rommersheim

Von Ulla Grall

WÖRRSTADT-ROMMERSHEIM – Mal himmelhoch jauchzend, mal zutiefst melancholisch, so klingt Klezmer. Traditionell auf Hochzeiten und anderen Festen gespielt, reicht Klezmermusik weit zurück ins jüdische Leben der „Schtetl“ Osteuropas und ist in der Auseinandersetzung mit moderner Musik bis in unsere Zeit hinein lebendig geblieben. „Es heißt, dass Klezmermusik so richtig in die Ohren geht und an den Füßen wieder rauskommt“, meint Birgit Gladrow bei der Begrüßung. Auf Einladung des Wörrstädter Kulturkreises ist die Gruppe „Maseltov“ zu Gast in der evangelischen Kirche von Rommersheim und macht ihrem Namen alle Ehre, denn „Maseltov“ heißt „Alles Gute“.

Musik voller mitreißender Verve

Wenn „Dschingis Khan“ auf „klezmerisch“ erklingt, bewahrheitet sich Gladrows Vermutung: Das Publikum auf den voll besetzten Kirchenbänken wippt mit, bei „Hevenu Shalom Alechem“, dem flott vorgetragenen Wunsch nach „Frieden für alle“, bringt Maseltov die Zuhörer zum Mitklatschen. „Hava Nagila“ beginnt etwas ruhiger, bleibt aber nicht lange so. Der Wechsel zwischen getragenen Passagen und überschäumender Lebensfreude ist typisch für die Klezmermusik und die acht Musiker von Maseltov bieten ihren Zuhörern eine breite Palette an Stücken, vorgetragen voller mitreißender Verve.

Die Wurzeln der Band gehen zurück auf 1977/78, als Jürgen Weller die Formation gründete. Weller hat auch den Taunussteiner Folk-Club ins Leben gerufen, dessen Hausband die Klezmorim von Maseltov sind. Er selbst spielt die Gitarre, macht Ansagen und erzählt auch mal den einen oder anderen Rabbi-Witz. „Ich war Chemielehrer“, teilt er im Interview mit. „Musik ist mein Hobby.“

Hobbymusiker sind die meisten der Bandmitglieder: Heike Rogainat, die Flötistin, Petra Schicketanz als Saxophonistin, die ebenfalls gelegentlich zur Flöte greift, Tamara Stankevich mit der Domra, einer russischen Laute. Ruhender Mittelpunkt im Rhythmus ist Thomas Schilling am Kontrabass, als Sänger tritt Toni Weiler hervor, der auch großartig tanzt und Klarinette spielt. Und dann gibt es in der Formation noch zwei Profimusiker, denen die Klezmermusik sichtbar und hörbar Vergnügen macht: Starakkordeonist Alexandre Bytschkov und die wunderbare Sopranistin Susanne Brell, die aus den vorgetragenen Liedern immer ein kleines Theaterstück oder eine Mini-Choreografie macht. Der Funke zum Publikum springt über, ob instrumental, wenn Schicketanz und Rogainat an den Querflöten ein Glanzstück abliefern, ob gesungen, wie „Maseltov“ von Brell, oder wenn Weiler sich in den Milchmann Tevje verwandelt: „Wenn ich einmal reich wär“.

Oft endet ein Lied mit einem Tänzchen des Sänger-Duos und die Zuhörer sind aufgefordert mitzutun. „Platz wär‘ genug“. Dazu kommt es im Verlauf des Abends tatsächlich, „Schah, stjl, mach nit kejn Gerider“, als Weiler und Brell Mittänzer aus dem Publikum holen und sich – „Der Rebbe gejt schojn tanzn wieder“ – ein wilder Reigen formiert.

Die Pause nutzen die Zuhörer für ein kühles Glas Wein, kredenzt vom Weingut Weinmann. Doch zuvor, noch vor Konzert-Halbzeit, rückt Bytchkov seinen Stuhl etwas nach vorn und lässt beim „Figaro“ die Finger über die Tasten seines Akkordeons fliegen. Und auch den offiziellen Konzertabschluss macht, zur Bandbegleitung, Bytchkovs Akkordeon-Artistik. Weil zahlreiche Klezmorim nach Amerika auswanderten, gibts im zweiten Konzertteil Beispiele für Einflüsse des Swings auf den Klezmer und in der Zugabe wird sogar „Those where the days“ zum veritablen Klezmer-Stück.

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