AZ Alzey: Hanne Kah und Band rocken die Wörrstädter Neubornhalle

Fetziger Rock’n’Roll für die Oma, Töne aus einem falsch herum gespielten Akkordeon.
Bei Hanne Kah und Band gab es einiges auf die Ohren. Dabei wurde auch mal der Stöpsel gezogen.

Von Ulla Grall (Foto BilderKartell/Axel Schmitz)

WÖRRSTADT – Beifall brandet auf, als die drei Männer der Band von Hanne Kah die Bühne entern, die Stimme der Sängerin klingt aus dem Off – und da tritt sie nach vorn und greift zu ihrer Westerngitarre, begrüßt von großem Applaus. In die Neubornhalle kamen die Vier auf Einladung des Wörrstädter Kulturkreises. Die Mainzer Band ist weit über die Region hinaus bekannt. Nicht erst, seit sie 2016 als Vorgruppe von Nena bei den Mainzer Sommerlichtern spielte, ist sie auf ihrem musikalischen Weg nach oben. Die Kategorisierung „Acoustic-Folk-Pop-Rock“ beschreibt die Vielseitigkeit der Gruppe nur teilweise. Abwechslungsreich, handgemacht, inspiriert von berühmten Singer/Songwritern und Countrymusikern ist es internationale Musik mit englischen Texten, unverwechselbar und mit eigenem Flair.

Im Januar war die Band für drei Wochen in Australien. „Vierzehn Konzerte haben wir gespielt“, so Bassist Niklas Quernheim nach dem Auftritt. „Wir haben viel von den Buschbränden mitbekommen.“ Von einem der Konzerte gingen Erlös und Spenden – „10 000 australische Dollar“ – an die Brandbekämpfer und Helfer.
 
Mit „Dust in my Lungs“ aus dem Album „Y“ von 2019 und „Come on“, einem Folk-Country-Titel von 2018, sorgen sie in Wörrstadt für einen powervollen Einstieg. „Wir haben seit drei Wochen nicht auf der Bühne gestanden und wir haben richtig Bock“, sagt Hanne an. Das hört man! Wenn der Bass loswummert, vibriert das Zwerchfell. Manchmal bedauert man, dass dabei die schöne Stimme der Sängerin etwas übertönt wird. Bei den leiseren Stücken hat man eher die Chance, das ausdrucksstarke Folk-Timbre ihres Sounds zu entdecken. Kurze A-capella-Passagen mit ihrem Gitarristen Patrick Jost und Bassmann Quernheim, die beide Background singen, sorgen für Gänsehaut.
 
„Das nächste Lied entstand, als ich von einem Aufenthalt in Syrien nach Hause kam“, erklärt Hanne zu „Seagulls“. „Der Titel ist aktuell, weil ich Syrien kennenlernen durfte, wie es vor dem Bürgerkrieg war.“ Persönliche Aussagen sind in den Liedern von Hanne Kah immer wieder zu finden. So auch im Titelsong „Generation“ aus dem neuen Album, das sie letztes Jahr herausgebracht haben. „Wir glauben, dass Musik ein großes Kommunikationsmittel ist“, meint Hanne dazu. „Das Stück wendet sich an die ,Zwischengeneration’“, wo auch immer die zu verorten sein mag.
Balladenhaft klingt „I hope“, Jost wechselt von der E-Gitarre zum akustischen Instrument. Beim Titelsong der ersten CD,„Secrets“ greift er gar zum Akkordeon. Er hält es falsch herum. Den Grund erklärt Hanne: „Ich hab’s ihm seinerzeit falsch rum in die Hand gedrückt.“ Seither spielt er es so. Ganz einfach. Es ist eines der langsameren Stücke, Quernheim streicht den Kontrabass, Schlagzeuger Malte Schmidt akzentuiert mit Paukenschlägen die hier zurückhaltendere Percussion.
Inspiration für ihre Texte holt sich Hanne bei Hermann Hesse („My Hands“), sie möchte „ein Schiff nehmen und in den Sonnenuntergang schippern“ („Blame it“), einen Song hat sie „Greta“ gewidmet, einen fetzigen Rock’n’Roll für ihre Großmutter komponiert. Bei „Fall again“ steht sie alleine auf der Bühne und begleitet sich auf der Gitarre.
„Ein Freund in Kanada hat uns eine wichtige Sache beigebracht: Musik wird nicht für das Publikum, sondern mit dem Publikum gemacht.“ Ein Grund, „mal den Stöpsel zu ziehen“, von der Bühne runter zu kommen und im Mittelgang unplugged zu spielen. „Ihr seid ein sehr gutes Publikum“, sagt die Musikerin zu ihrem Publikum. Die Band fühlt sich in der Neubornhalle wohl.
 
Schade nur, dass die Halle eher mäßig gefüllt ist, denn die Zuhörer bestätigen: „Ein wunderbares Musikerlebnis!“
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